Die Legende von den Martinshörnchen in Poznań

Kapitel: Volkskultur
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POZNAŃ

Stadt am Fluss Warta. Hauptstadt der Provinz Wielkopolska (dt. Großpolen), der Woiwodschaft Wielkopolska und des Erzbistums Poznań.

 

Der heilige Martin war ein römischer Soldat. Eines Tages, als er zusammen mit den Truppen nach Amiens kam, sah er am Stadttor einen in Lumpen gehüllten Bettler. Also schnitt er mit dem Schwert die Hälfte seines Soldatenmantels – sein ganzes Hab und Gut – ab und schenkte sie dem unbekannten Mann.
Diese Geschichte wiederholte der Pfarrer in der Martinskirche jedes Jahr vor der Kirchweih des Kirchensprengels.

1891 hörte dies der Bäcker Walenty und beschloss, etwas ebenso Gutes zu tun wie der heilige Martin. In der Nacht vor der Kirchweih hörte er auf der Landstraße Pferdegetrappel. Er trat über die Schwelle und erblickte einen Ritter in glänzender, altertümlicher Rüstung auf einem Schimmel und ein Hufeisen, das im Schnee lag.

Inspiriert von dieser Begegnung buk er Küchelchen in Hufeisenform mit Mohnfüllung. Am Morgen nach der Kirchweihmesse verteilte er alle Küchelchen an die Armen. Walentys Idee hatte allen so gut gefallen, dass er jedes Jahr Hörnchen buk - denn so wurden die Küchlein im Laufe der Zeit genannt. Nach seinem Tod setzten andere Bäcker die Tradition fort und behielten das gleiche Rezept für die Füllung bei. Nur hier in Poznań werden dieses eine Mal im Jahr am 11. November mit einer Masse aus weißem Mohn, Backobst, Nüssen und Sahne gefüllte Hörnchen gebacken.

Soweit die Legende. In Wirklichkeit hatte ein Bäcker aus Poznań namens Józef Melzer seinem Chef 1891 die Idee eingegeben, Martinshörnchen zu backen. Die Hörnchen wurden am 11. November nach der Kirchweihmesse an die Armen verteilt. Derzeit werden solche Hörnchen nur in den Konditoreien gebacken, die ein besonderes Zertifikat besitzen. Jedes Jahr essen die Bewohner von Poznań rund 300 Tonnen dieses Leckerbissens.


In ganz Polen wird der 11. November als Unabhängigkeitstag feierlich begangen. Lediglich in Poznań hat diese Feier einen entschieden fröhlicheren Charakter, ist sie doch mit dem Namenstag der wichtigsten Straße der Stadt - Święty Marcin (Heiliger Martin) - verbunden.

Nach der heiligen Messe setzt sich ein bunter Zug in Richtung Kaiserschloss in Bewegung, wo der Stadtpräsident (Oberbürgermeister) von Poznań dem heiligen Martin die Stadtschlüssel überreicht. Bis zum Abend finden mannigfaltige Darbietungen und Vergnügungen statt, an denen die Einwohner der Stadt und viele Gäste teilnehmen, die extra zu diesem Zweck am Martinstag nach Poznań kommen.

 

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