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Eklektizismus

Kapitel: Architektur
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EKLEKTIZISMUS

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden Bauwerke, die wie aus längst vergangenen Epochen anmuteten und in einem reinen oder nur wenig verarbeiteten früheren Stil errichtet wurden. Darüber hinaus wurden oft Lösungen eingesetzt, die mehr oder weniger großzügig aus verschiedenen Stilen schöpften – dann heißt es, dass etwas „in eklektischen Formen” angefertigt wurde oder „eklektisch im Stil“ ist (vom griechischen eklektikós = der, der auswählt).

Als hervorragende Lösungen der Neogotik gelten solche Werke deutscher Baumeister wie die evangelischen Kirchen (heute römisch-katholische) in Poznań in der Fredry-Straße (jetzt Erlöserkirche; 1866-1869, Projekt von Friedrich August Stüler) oder in der Matejki-Straße (heute Annenkirche; 1905-1908, Projekt von Oskar Hossfeld) oder in Grodzisk Wielkopolski (1902-1905, Projekt von Ludwig Tiedemann und Erich Riemasch).

Im neogotischen Stil wurden auch Landresidenzen gebaut. Anfänglich wurden dabei Formen eingesetzt, die von England her bekannt waren und romantische Gotik oder englische Neogotik genannt wurden. Den bekanntesten solcher Adelssitze kann man in Kórnik betrachten, wo in den Jahren 1843-1865 auf Betreiben von Tytus Działyński das alte Schloss in eine prächtige Residenz umgebaut wurde.

In den sechziger Jahren des 19. Jahrhunderts begann sich das „französische Kostüm” der Palastbauten zu verbreiten, was sowohl ein Ergebnis der Kontakte der Landadeligen mit Frankreich als auch der Absicht war, sich der deutschen Neogotik entgegenzustellen. Am bekanntesten ist das Schloss in Gołuchów im Kreis Pleszew (1872-1885). Izabela Działyńska geb. Czartoryska befahl während des Ausbaus des von der Familie Leszczyński errichteten Bauwerks aus dem 16.-17. Jahrhundert diesem eine Form zu verleihen, die man von den Loire-Schlössern her kennt.

Der slawische Stil


Der geförderte slawische Stil wurde nach Jahren als „Nationalkostüm“ bezeichnet. Es galt als patriotisch, bei den Bauwerken Formen anzuwenden, die an die Glanzzeiten Polens erinnerten. Solchen Kriterien entsprach der Barockstil – zierreich und zugleich weich und darüber hinaus nicht durch Erinnerungen aus einer Zeit fremder Expansion belastet. Gute Erinnerungen weckte auf dem Gebiet des Großherzogtums Posen auch der Klassizismus.
Der führende Künstler dieser Strömung war Roger Sławski (1871-1963), ein gefragter Architekt der in Wielkopolska und außerhalb davon entstehenden Herrenhäuser, Palais und Kirchen, der es hervorragend verstanden hat, die „nationalen Formen“ auf schöpferische Weise konkreten Bedürfnissen anzupassen. Ein Werk des erwähnten Architekten sind u.a. die derzeitigen neoklassizistischen Lösungen der Residenzen der Familie Sypniewski in Skoraszewice im Kreis Gostyń (1909), der Familie Pluciński in Swadzim im Kreis Poznań (vor 1910) und der Familie Mycielski in Wolsztyn (vor 1911).

Vorwerksgebäude


Historische Stile wurden auch bei weniger repräsentativen Bauten angewendet. Der alte Speicher in Brzostków (Kreis Jarocin, ca. 1830) erhielt eine neogotische Dekoration im Stil früherer Wehrbauten (Ecktürme mit Zinnen, Schießscharten).

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