Poznań (Posen)

Kapitel: Geschichte
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POZNAŃ

Stadt im mittleren Wielkopolska am Fluss Warta, Hauptstadt der Woiwodschaft und der Region. Ort, an dem die Geschichte Polens ihren Anfang nahm. Stadt der Internationalen Messe Poznań und der großen Musik mit dem Henryk-Wieniawski-Violinwettbewerb und dem Chor Poznańskie Słowiki (Nachtigallen von Poznań). Eines der größten akademischen Zentren in Polen. Stadt, wo regionale Traditionen und Bräuche lebendig sind. Ein wichtiger Punkt auf dem Piastenweg.

Geschichte:
Die Geschichte von Poznań begann im 9. Jahrhundert, als auf der Insel Ostrów Tumski (eine der Inseln in der Gabelung der Warta und der Cybina) eine Burg entstand, welche den Übergang über den Fluss verteidigte. Hierhin holte Herzog Mieszko I. seine böhmische Frau – Dobrawa, hier nahm er die Taufe an und gründete das erste Bistum auf polnischem Boden.
Die Entwicklung wurde durch den Überfall des böhmischen Herzogs Břetislav 1038 unterbrochen. Die Zerstörungen in Wielkopolska waren so groß, dass Kasimir der Erneuerer die Hauptstadt des Staates nach Krakau verlegte. Die spätere Zeit der territorialen Zersplitterung war günstig für Poznań. Die beiden Brüder Przemysł I. und Boleslaus der Fromme gründeten 1253 eine neue Stadt nach Magdeburger Recht am linken Ufer der Warta. Es wurde ein quadratischer Markt abgesteckt, von dem zwölf Straßen abgehen, die eine regelmäßige, bis heute lesbare Anordnung der Altstadt bilden. Przemysł II. unternahm den Versuch, die polnischen Gebiete zu vereinigen, was dazu führte, dass in Poznań das Königsschloss errichtet wurde.
Die Herrschaft Ladislaus Jagiellos leitete die beste Zeit in der Geschichte der Stadt ein. Handwerker und Kaufleute kamen hierher, auf der Insel Ostrów Tumski gründete Bischof Jan Lubrański die erste Hochschule in polnischen Gebieten, die im Geist des Humanismus lehrte (es unterrichtete hier u.a. Christoph Hegendorf). Hier wohnte der hervorragende königliche Arzt Józef Struś, der die Abhandlung „Vom Puls“, die erste Arbeit dieser Art, verfasst hat.

Im 16. und 17. Jahrhundert entfaltete sich auch die Reformation, die von der Familie Górka, dem mächtigsten Geschlecht in Wielkopolska, gefördert wurde. Als Antwort holte Bischof Adam Konarski 1572 die Jesuiten ins Land, die ihr Kollegium eröffneten. Der erste Rektor war Pfarrer Jakub Wujek, der die erste Bibelübersetzung in die polnische Sprache anfertigte.
Der günstigen Entwicklung setzten der Ausbruch des Dreißigjährigen Kriegs 1618, dann die „schwedische Sintflut” (1655-1660), der Große Nordische Krieg und die Pest ein Ende. Die Entvölkerung des Dorfes zwang die Behörden der Stadt, deutsche Siedler katholischen Bekenntnisses aus dem Raum Bamberg hierhin zu holen. Sie kamen seit 1719 in mehreren Wellen und bildeten die Keimzelle der ethnischen Gruppe, die Bambrzy (Bamberger) genannt wurde.
Die erneute Entwicklung von Poznań setzte unter der Herrschaft des Königs Stanislaus August dank der Kommission der Guten Ordnung ein. Das Handwerk blühte auf, öffentliche Gebäude wurden wieder aufgebaut. Diese Zeit endete mit der zweiten Teilung Polens 1793, in deren Ergebnis die Stadt dem preußischen Staat einverleibt wurde.

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