Das Königstreffen in Gniezno

Kapitel: Geschichte
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Vor über tausend Jahren versuchte Kaiser Otto III. das Konzept des vereinten Europa unter seiner Führung umzusetzen. Jene „Föderation“ sollte aus Italien, Gallien, Germanien und Sclavinia, also den polnischen Ländern, gebildet werden, die in jener Zeit von Boleslaus dem Tapferen regiert wurden.

Den Vorwand für den Besuch des Kaisers bei Boleslaus dem Tapferen lieferte eine Pilgerfahrt an das Grab des hl. Adalbert, den Otto zu Lebzeiten gekannt hatte. Dem polnischen Herzog hatte schon damals der formelle Weg zur Krone offen gestanden. 999 wurde das Erzbistum mit der Hauptstadt in Gniezno gegründet, und dort sollte eben während des kaiserlichen Besuchs den damit verbundenen Formalitäten Genüge getan werden.

Otto trat seine Reise Ende 999 aus Rom an, Ende Februar 1000 überquerte er die Oder bei Szprotawa und Anfang März traf er in Gniezno ein. Die letzten vier Meilen vor Gniezno legte der Kaiser – wie es die Überlieferung will – zu Fuß zurück. Dann huldigte er im Dom den Reliquien des Märtyrers.

Der prachtvolle Empfang, den der polnische Herzog dem Kaiser bereitet hatte, wurde später in den Chroniken des Langen und des Breiten kommentiert. Jene Tage vom 7. bis zum 15. März 1000 sind als Zeit des Triumphs Boleslaus‘ des Tapferen in die Geschichte eingegangen. Unterstrichen wurden die Demonstration des Reichtums und die Gastfreundschaft des polnischen Herzogs, seine Absicht „sich zur Schau zu stellen“. Otto III. setzte Boleslaus öffentlich sein eigenes kaiserliches Diadem aufs Haupt und überreichte ihm eine Kopie der Mauritiuslanze, einer der wichtigsten königlichen Reliquien des damaligen Christentums, sowie auch einen Nagel vom Heiligen Kreuz. Boleslaus der Tapfere revanchierte sich mit einem Reliquiar mit einem Arm des hl. Adalbert. Gleichzeitig trat Otto dem polnischen Herzog seine kirchlichen und politischen Befugnisse gegenüber den von Boleslaus dem Tapferen regierten Ländern und denen, die er in Zukunft erobern würde, ab. Die Kirche in Gniezno wurde zum Gotteshaus des Erzbischofs und Metropoliten. Dieser Vertrag wurde später vom Papst bestätigt.

Von den Plänen Ottos III. ist nicht viel übrig geblieben, denn schon zwei Jahre nach dem Königstreffen in Gniezno starb der Kaiser, und seine Nachfolger waren nicht geneigt, dieses Unionskonzept umzusetzen. Von den Gaben, die Boleslaus im Jahre 1000 vom Kaiser erhalten hatte, ist in Polen lediglich die Kopie der Mauritiuslanze erhalten geblieben (sie befindet sich in der Schatzkammer der Burg Wawel).

 

 

 

 

 

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