Juni 1956 in Poznań

Kapitel: Geschichte
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Die Jahre 1949-1956 waren eine äußerst schwierige Zeit in der Geschichte Polens. Offiziell wurde die Herrschaft des Arbeiter- und Bauernbündnisses verkündet und die Arbeiterklasse war die „führende Kraft des Volkes”. Gleichzeitig jedoch bewirkten die intensive Rüstung und die Ineffektivität der sozialistischen Wirtschaft eine erhebliche Verschlechterung der Lebensbedingungen der Bevölkerung.

Unruhen traten in ganz Polen auf, bis Arbeiter aus Poznań, die hauptsächlich die größte Fabrik in der Stadt – die Josef-Stalin-Metallbetriebe (so hießen die H.-Cegielski-Werke damals) repräsentierten, im Juni 1956 eine Abordnung nach Warschau entsandten, die eine Erklärung der Lage und die Verbesserung der Lebensbedingungen verlangte. Die Abgesandten kehrten ohne die erwarteten Effekte nach Poznań zurück. Im Ergebnis wurde am Morgen des 28. Juni 1956 bei „Cegielski“ die Arbeit niedergelegt. Die Arbeiter verbanden sich mit den Beschäftigten der nahe gelegenen Eisenbahn-Ausbesserungswerke und setzten sich in einem langen Zug zum Gebäude des Woiwodschaftskomitees der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei im Stadtzentrum in Marsch. Man verlangte Erklärungen und forderte eine Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Bald verbreitete sich das unwahre Gerücht von der Verhaftung der Delegierten. Es kam zu Straßenkämpfen und die Lage entglitt der Kontrolle sowohl der an den Vorfällen Beteiligten als auch der Stadtbehörden. Es fielen Schüsse vor dem Gebäude des Amts für Öffentliche Sicherheit in der Kochanowskiego-Straße, es wurden die Anlagen demoliert, die den Empfang westlicher Rundfunksender störten. Daraufhin holten die Behörden die Armee in die Stadt und an den folgenden zwei Tagen wurde das Zentrum des sich auflehnenden Poznań pazifiziert, in großem Maße mit Hilfe der Armee und der Miliz, die aus anderen Teilen Polens geholt worden waren. Während der Kämpfe kamen über 70 Personen ums Leben, einige hundert wurden verwundet, fast 700 Personen wurden verhaftet.

Nach der Niederschlagung des Protestes fanden im Herbst 1956 Schauprozesse tatsächlicher und mutmaßlicher Teilnehmer an den Vorfällen statt, in denen die Parteiführung sich bemühte nachzuweisen, dass es in Poznań eine gegen den Staat und gegen den Sozialismus gerichtete Verschwörung gab.

 


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