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Das Palais in Dobrzyca

Kapitel: Architektur
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DOBRZYCA


Dobrzyca ist ein Dorf im Landkreis Pleszew, ca. 15 km westlich von der Landkreisstadt gelegen.

Die Geschichte von Dobrzyca reicht bis ins Mittelalter zurück. Die aus dem Jahr 1327 stammende früheste Erwähnung spricht über Mikołaj von Dobrzyca. In den Jahren 1436-1453 war Dobrzyca Eigentum von Tumlin Dobrzycki aus dem Geschlecht Leszczyc. Mit Erlaubnis des Königs erhob er Dobrzyca 1440 in den Rang einer Stadt (dieser Status ging 1934 verloren). Mit dem Ritter Tumlin hängen die Anfänge des ersten adeligen Sitzes zusammen, dessen Relikte bei neulich durchgeführten archäologischen Untersuchungen entdeckt wurden. Der aus einem hölzernen Gutshaus und einem gemauerten Turm bestehende Sitz von Tumlin erweiterte sich im 16. und 17. Jh. dank des Einsatzes seiner Nachkommen zu einem auf dem Grundriss in Form des Buchstabens L errichteten, von einem Wassergraben umgebenen Befestigungswerk.

Im Jahre 1717 wurde das Gut der Dobrzycki von Aleksander Gorzeński gekauft, dessen Familie Nałęcz im Wappen trug. Aber erst sein Enkelsohn Augustyn verwandelte das alte Befestigungswerk in eine prachtvolle, klassizistische Residenz. Durch seine 1774 erfolgte Heirat mit Aleksandra Skórzewska, deren Mutter Marianna durch hohe Bildung bekannt war, erlangte er Zugang zu den Salons des preußischen Königs und den Titel eines königlichen Kämmerers. Als Generaladjutant und Anhänger der Verfassung vom 3. Mai hielt er sich bis zu dessen Abdankung in der Nähe des Königs Stanisław August auf.

Mit dem generellen Umbau der alten Residenz und mit der Aufgabe der Anlegung eines durch Bauten geschmückten Gartens beauftragte Gorzeński den bekannten Warschauer Architekten Stanisław Zawadzki. Die Vorarbeiten (sie schlossen die Gründung des Vorwerks Augustynowo ein) initiierte man wohl bereits in den 1780er Jahren. Die früheste Mitteilung über die Ausführung des Rohbaus des Schlosses stammt vom 9. September 1795. Die reiche Polychromie an den Wänden der Innenräume verbindet man mit zwei Malern – Antoni Smuglewicz und Robert Stankiewicz, dessen Signatur man neulich bei Konservierungsarbeiten entdeckte. Nur einen Raum im Schloss, den sog. blauen Salon, schmücken Stuckaturen. Die unter den Wandornamenten versteckte Signatur M. C. ist ein Zeichen des großpolnischen Künstlers Michał Ceptowski und das daneben sichtbare Datum 1804 markiert die obere zeitliche Grenze der Arbeiten in den Innenräumen der Residenz von Gorzeński.

Das zweigeschossige, über einen Keller verfügende, von einem gewaltigen toskanischen Portikus geschmückte Schloss wurde mit einem flachen Dach abgedeckt. Das aufragende, klassizistische Palais birgt in sich Mauern des einstigen Sitzes der Familie Dobrzycki mitsamt dem Umriss seines Grundrisses. Dank des Genius des Architekten entstand dennoch eine ganz neue architektonische Kreation, die im Hinblick auf äußere Form und die Anordnung der Innenräume eine Umsetzung von in Mode stehenden englischen Lösungen war.

Den in jener Zeit am Schloss angelegten Garten schmückten modische Bauten – ein kleines Hinterhaus, eine als Kastell bezeichnete künstliche Ruine (ist nicht erhalten geblieben), eine Grotte, ein Schneckenberg, ein Pantheon und ein auf künstlicher Teichinsel errichteter Monopteros.

Im Jahre 1816, nach dem nachkommenlosen Tod von Augustyn Gorzeński, wurde Dobrzyca vom General Kazimierz Turno geerbt, der bald ebenfalls starb. Bis zum Jahr 1835 blieb das Gut in der Hand der verwitweten Helena Turno. Dann verkaufte man es an die Familie von Kottwitz, deren Nachfolger in den 1860er Jahren die Familie Bandelow wurde. Im Jahr 1890 wurde das Gut in Dobrzyca von Józef Czarnecki gekauft, nach dessen 1922 erfolgtem Tod es ein Eigentum der Witwe Stanisława (geb. Lipska) und ihrer Kinder wurde.

Die Nachkriegsjahre hinterließen in der ganzen Anlage ein dauerhaftes Gepräge. Man baute das Kastell und die nach einem Entwurf von Zawadzki errichteten Ställe für Ziehpferde ab, zerstört wurden die Brücken und das Wassertor im Park, man verringerte den Baumbestand. Das verfallende und nicht im Einklang mit seiner Bestimmung benutzte Schloss rettete man bis 1988, als es ein Museum wurde, durch oberflächliche Ausbesserungen. Die seitdem (mit zahlreichen Schwierigkeiten) durchgeführten Arbeiten beendete man letzten Endes im Jahr 2004. Das Museum wurde dann als Schloss- und Parkkomplex Dobrzyca den Besuchern zugänglich gemacht.


Adresse:
ul. Pleszewska 5A
63-330 Dobrzyca
Tel. +48 62 741 30 39


 

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