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Der Friedhof mit Ehrengräbern verdienter Bürger in Poznań (Posen)

Kapitel: Geschichte
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POZNAŃ (dt. Posen)

Stadt am Fluss Warta. Hauptstadt der Provinz Wielkopolska (dt. Großpolen), der Woiwodschaft Wielkopolska und des Erzbistums Poznań. Ein wichtiger Punkt auf dem Piastenweg.

Ein wenig abseits, doch nicht weit vom direkten Zentrum der Stadt, gibt es den Adalbertshügel, auf dem sich neben zwei Gotteshäusern (die Adalbertskirche und die karmelitische Josephskirche) auch der Friedhof mit Ehrengräbern verdienter Bürger befindet. Auf dem 1,8 ha großen Gelände wachsen hier alte Bäume und tragen zur Anmut dieser Stätte bei. Es ist der älteste geöffnete Friedhof in der Stadt.

Er entstand in den Jahren 1808-10 dank der Bemühungen des Brauers Stanisław Kolanowski als Friedhof der Maria-Magdalena-Stiftskirche. Nachdem der Pfarrbezirk Ende des 19. Jh. einen neuen Friedhof an der Grunwaldzka-Str. (das Gelände der heutigen Internationalen Posener Messe) bekommen hatte, begann man den bisherigen Friedhof einen alten Pfarrfriedhof zu nennen. Seit August 1829 steht hier eine Figur der Unbefleckten Empfängnis der Allerheiligsten Jungfrau Maria. Das erste Begräbnis fand hier am 19. Februar 1810 statt. Die ältesten erhaltenen Grabmäler gehören zu Ignacy Sterzbecher (1810), Monika Zakrzewska, geb. Sczaniecka (1813) und Rozalia Kolicka (1815). Das schönste Grabmal gehört zu Anieli Dembińska, geb. Liszkowska. Geschaffen hat dieses der Bildhauer Władysław Marcinkowski, dessen Grab sich in der Nähe befindet.

Bei einem Spaziergang durch den Friedhof entdeckt man Gräber einer ganzen Reihe von hervorragenden Persönlichkeiten der Stadt, die im 19. und 20. Jh. lebten. Bestattet sind hier die Oberbürgermeister der Stadt. Die bedeutendsten unter ihnen waren Jarogniew Drwęski (der erste Oberbürgermeister nach der Wiedererlangung der Unabhängigkeit 1918) und Cyryl Ratajski. Unter den Grabmälern zeichnet sich der Hipolit Cegielskigewidmete Obelisk aus rotem Sandstein aus. Er wurde 1985 rekonstruiert. Es ist nur ein symbolisches Grabmal, weil Cegielski in Wirklichkeit auf dem alten St.-Martin-Friedhof bestattet wurde. Eine Exhumierung war nicht möglich, weil der genaue Standort des Grabs nicht bekannt ist. Das Grabmal von Raul Kochalski, einem hervorragenden Komponisten und Pianisten, lässt sich leicht nach der Form erkennen, die an eine Lyra anknüpft. In derselben Reihe befindet sich das Grabmal von Jan Konstanty Żupański, einem bekannten Verleger und Buchhändler. Weiter entfernt liegt das aus früherer Zeit stammende Grabmal von Gen. Stanisław Taczak, dem ersten Befehlshaber des Posener Aufstands.

Der tiefer gelegene Teil des Friedhofs der verdienten Bürger macht einen leeren und unbewirtschafteten Eindruck. An dieser Stelle bestattete man in der Vergangenheit in Massengräbern die Opfer der Cholera-Epidemien, von denen die Stadt in den Jahren 1831-73 mehrere Male heimgesucht wurde und die die Bevölkerung dezimierten. Die Bestattungen erfolgten in aller Stille in der Nacht, so wollte man in der Stadt eine Panik vermeiden.

Ende des 19. Jh. war der Friedhof überbelegt. Bestattet wurden nunmehr nur Personen, die hier Familiengräber besaßen. Im Laufe der Zeit wurde das Gelände von Pflanzen überwuchert und geriet in Vergessenheit. In den 1930er Jahren begann man einzelne identifizierte Gräber bedeutender Personen zu pflegen. Die Aktion wurde durch den Ausbruch des II. Weltkrieges unterbrochen. Im Zuge der Kämpfe um die nahe gelegene Zitadelle wurden viele Grabmäler im Februar 1945 beschädigt.

1948 setzte eine neue Beachtung des Friedhofs als Begräbnisstätte für verdiente Bürger der Provinz Großpolen ein. Die Gesellschaft der Freunde der Stadt Poznań rief 1958 die Ehrenamtliche Kommission des Friedhofs der verdienten Bürger ins Leben. Trotz dieser Bemühungen stieg die Verwahrlosung, historische Grabmäler wurden geplündert. Die Situation änderte sich 1981. Endgültig wurde das Gelände des Friedhofs geordnet und überwacht.
Der Friedhof ist täglich von 10 bis 18 Uhr geöffnet.
 

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