Der großpolnische Völkerfrühling

Kapitel: Geschichte
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Während der Ereignisse 1848, die als Völkerfrühling bezeichnet werden, kam es auch in den Straßen Berlins zu Kämpfen. Einige Tage darauf, am 20. März, wurde das polnische Nationalkomitee in Poznań berufen. Anfangs hatte man nicht an einen bewaffneten Kampf gegen die Preußen gedacht. Die neue Regierung in Berlin plante einen Krieg gegen Russland, die Polen aus dem preußischen Annexionsgebiet sollten ein Armeekorps gründen, das an der Seite der verbündeten preußischen Truppen an diesem Kampf teilnehmen sollte. Doch die Zeit verging, die Regierung in der Hauptstadt des Staates änderte sich und der Kriegsplan gegen Russland war nicht mehr aktuell. Man musste an die Entwaffnung der polnischen Truppen denken, die im Großherzogtum Posen bereits zusammengezogen worden waren. Man bediente sich also einer spezifischen Taktik, die darauf beruhte, dass den Polen die Autonomie (genannt Umorganisation) versprochen wurde, diesbezügliche Gespräche geführt wurden und man sich gleichzeitig darauf vorbereitete, die Region zu pazifizieren.

Die polnische Seite nahm die Versprechen der preußischen Verwaltung ernst. In Lagern auf dem Gebiet von Wielkopolska wurden Soldaten konzentriert und die Regeln der künftigen Zusammenarbeit und der polnisch-preußischen Brüderschaft analysiert. Am 11.4.1848 wurden die Polen gezwungen, in Jarosławiec bei Środa Wielkopolska einen Vergleich zu schließen, der ihnen gebot, die Zahl der Soldaten in den Lagern zu verringern, andernfalls würde sofort das Militär einschreiten.

Zu einem offenen Kampf kam es am 29. April, als preußische Truppen das polnische Lager in Książ Wielkopolski angriffen, einnahmen und pazifizierten. Am folgenden Tag, am 30. April, zog Ludwik Mierosławski die Kräfte der übrigen Lager zusammen und siegte in der Schlacht bei Miłosław; etwas später, am 2. Mai, wurde eine preußische Abteilung in der Schlacht bei Sokołowo (Kreis Września) geschlagen. Ein weiterer Kampf war jedoch sinnlos, von außen war keine Hilfe möglich und die Frage der Autonomie des Großherzogtums Posen war in unbestimmte Zukunft gerückt. Im Ergebnis wurde am 9.5.1848 in Bardo (Kreis Września) die Kapitulation unterzeichnet.

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