Osieczna (Storchnest)

Kapitel: Geschichte
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OSIECZNA (dt. Storchnest)

Osieczna ist eine Stadt im Landkreis Leszno am Łoniewskie-See, etwa 12 km nordöstlich von der Kreishauptstadt.

Geschichte

Die Stadtrechte erhielt Osieczna vermutlich in der zweiten Hälfte des 14. Jh. Als private Stadt stützte es seine Entwicklung auf Handel, Tuchindustrie und Landwirtschaft.

Im 17. Jh. siedelten sich hier protestantische Flüchtlinge aus Deutschland und Schlesien an, die die sog. Neustadt gründeten. Nach der zweiten Teilung Polens (1793) fiel Osieczna an Preußen. Zwischen 1807 und 1815 lag die Stadt in den Grenzen des Herzogtums Warschau. Nach der Niederlage Napoleons und der Festlegung einer neuen europäischen Ordnung durch den Wiener Kongress 1815 wurde Osieczna erneut Bestandteil des preußischen Staates.

Erst der Ausbruch des Großpolnischen Aufstandes (1918-1919) und die siegreiche „Schlacht bei den Windmühlen“ (11.1.1919) entschieden über die Wiedererlangung der Freiheit. Eine 400 Personen zählende Abteilung des Grenzschutzes wurde in dieser Schlacht von 350 polnischen Aufständischen zerschlagen. Begleitet von Kanonen- und Gewehrschüssen erfolgte am 19. Januar 1919 die offizielle Verkündung der Wiederkehr der Stadt zum polnischen Vaterland. Nahe liegt die Vermutung, dass der Sieg bei Osieczna einen Einfluss auf die Neugestaltung der polnischen Westgrenze hatte. Durch Bestimmungen des Versailler Vertrags vom Juni 1919 wurden Leszno und Osieczna Bestandteil des polnischen Staates. In den Jahren 1939-1945 geriet die Stadt unter deutsche Besatzung.

Heute ist Osieczna ein wachsendes Tourismus- und Erholungszentrum, wozu auch die Lage zwischen den Moränenhügeln positiv beiträgt.

Sehenswürdigkeiten

An der Frankiewicza-Str. 2 steht die Dreifaltigkeitskirche. Der Pfarrbezirk blickt auf eine sehr interessante konfessionelle Geschichte zurück. Auf der Welle der Reformation wurde das Gotteshaus im 16. Jh. an die Protestanten abgetreten. Durch anschließende Vereinbarungen durften beide dominierenden Konfessionen die Kirche abwechselnd benutzen. Erst 1628, nachdem ein Haus des Gebets für die Protestanten errichtet worden war, wurde die Kirche den Katholiken ganz zurückgegeben.
Weiter östlich stößt man auf den Komplex des ehemaligen Reformatenklosters (heute im Besitz der Franziskaner). Dieses im 18. Jh. gebaute Gotteshaus hängt ebenfalls mit dem Großpolnischen Aufstand (1918-1919) zusammen – im Kloster gab es Tagungen des aufständischen Stabes. Ein Anziehungspunkt im Sanktuarium der Patres Franziskaner ist das gnadenreiche Bild der Schmerzhaften Muttergottes mit dem Kind. Am Ufer des Łoniewskie-Sees, in einem 2 Hektar Fläche umfassenden Park, befindet sich ein Schloss.
Auf einer Anhöhe an der Straße von Leszno nach Śrem stehen drei herrliche Windmühlen, die zu den Visitenkarten der Stadt gehören und ein Zeugnis ihrer Vergangenheit sind. Es ist immer wieder lohnend, diese historischen Holzbauten nach dem Einbruch der Dunkelheit anzuschauen – sie sind beleuchtet und hinterlassen bei den Besuchern einen unvergesslichen Eindruck. Gegenüber den Windmühlen befindet sich ein Wegweiser zum Aussichtsturm Jagoda, von wo aus man einen Blick auf die Stadt genießen kann.
 

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